Stellungnahme zu unserem ursprünglichen Plakat

In Deutschland und der westlichen Welt läuft derzeit eine große Debatte zum Thema Sexismus. Unter dem Hashtag #MeToo werden Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfe gesammelt, die zeigen, wie tief alte Geschlechter-Bilder immer noch in unserer Gesellschaft verwurzelt sind und wie oft es in unserer aufgeklärten Gemeinschaft noch zu Sexual-Verbrechen kommt. Die Narro-Zunft Waldshut unterstützt diese Debatten und positioniert sich klar gegen jegliche Form von Sexismus und sexueller Gewalt.

 

Jedes Jahr setzen wir unsere Fasnacht in Waldshut unter ein anderes Motto. Dieses Motto bildet hauptsächlich den Rahmen für unsere Kappenabende, wird aber auch bei anderen Veranstaltungen, wie der Närrischen Gass, aufgegriffen. Außerdem werben wir mit diesem Motto für unser närrisches Programm. In diesem Jahr entschieden wir uns für das Motto: „Reeperbahn“.

Die Reeperbahn ist Kult, wird oft in der Musik besungen und wahrscheinlich jeder, der schon einmal in Hamburg zu Besuch war, schaute sich auch die Reeperbahn an. Kult ist auch die dort ansässige Kneipe „Zur Ritze“. Das Lokal gilt als bekannteste Kneipe St. Paulis.

Betreten wird die „Ritze“ durch die berühmte Eingangstür, die rechts und links von zwei gespreizten Frauenbeinen mit High Heels flankiert ist, aufgemalt vom Künstler Erwin Ross. Dieses Motiv steht für die Reeperbahn und findet sich dementsprechend häufig auf Postkarten und anderen Souvenirs.

Natürlich wird dort in einigen Bars und Bordellen auch ein Frauenbild gezeigt und gelebt, dass als sexistisch kritisiert werden kann. Auch die Malerei von Erwin Ross ist kritisch zu betrachten. Dieser Zwiespalt ist uns sehr wohl bewusst.

Narren provozieren schon immer und legen den Finger in die Wunde, das liegt in ihrer Natur. Der Narr hält sich nicht an gesellschaftliche Normen oder Regeln: Wir befreien am Schmutzigen Dunschtig die Kinder aus der Schule und schicken die Lehrer nach Hause, stürmen das Rathaus und machen uns über Fehltritte von Berühmtheiten der Stadt lustig. Das ist die Narrenfreiheit. Denn bei all dem Spaß, den die Fasnacht bereitet, hat der Narr auch einen ernsten historischen Hintergrund: Seit jeher hält er der Welt den überzeichnenden Spiegel vor.

Dies sollte auch in diesem Zusammenhang geschehen. Daher freut es uns, wenn wir mit unserem Motto und unseren Plakaten polarisieren und zum Nachdenken anregen können.  

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